Inklang bietet Hi-Fi nach Maß

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Kein Hi-Fi von der Stange, sondern nach Kundenwunsch konfigurierte Lautsprecher – das ist die Geschäftsidee des leidenschaftlichen Hi-Fi-Fans Thomas Carstensen. Was naheliegend klingt, war tatsächlich eine Marktlücke.

Inklang lautet der Name einer neuen Hamburger Hi-Fi-Manufaktur, die sich Lautsprecher mit individuellem Design auf ihre Fahnen geschrieben hat. Im Gespräch auf der IFA Preview verriet Gründer Thomas Carstensen, wie es dazu kam.



Wann haben Sie das Unternehmen gegründet?

Das war 2014. Ich habe 25 Jahre in einer ganz anderen Industrie gearbeitet und habe dann meine Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht.

In welcher anderen Industrie waren Sie?

In der Asset-Management-Industrie. Also, ich habe Versicherungen, Banken und Pensionsfonds betreut, war für Immobilieninvestitionen im Bereich studentisches Wohnen oder erneuerbare Energien zuständig. Eigentlich nichts, was mit Lautsprechern zu tun hat.

Wie haben Sie Ihre Hi-Fi-Leidenschaft vor der Gründung von Inklang ausgelebt?

Seit 20 Jahren bin ich leidenschaftlicher Lautsprecher-Bauer, also Hi-Fi-Freak. Nach einer Operation war ich fünf Wochen zuhause. Wenn man fünf Wochen aus seinem Rhythmus raus ist, kommt man an den Punkt, wo man denkt: „Was willst du jetzt noch machen, was ist jetzt deine Leidenschaft?“ Da kam mir die Idee für dieses Geschäftskonzept. Ich habe geprüft, ob es das Geschäftsmodell schon gibt und festgestellt, dass es dies in Deutschland so tatsächlich noch nicht gibt. Dann habe ich mich mit Investoren gemeinsam auf den Weg gemacht, das Unternehmen aufzubauen.

Was ist die Kernidee von Inklang?

Die Kernidee ist es, das Produkt individuell an die Anforderungen des Kunden anzupassen. Also nicht von der Stange kaufen – weiß, schwarz, silber, das war’s – sondern wie beim Autohersteller zu sagen: Ich habe sieben Modelle, und dann können Sie verschiedene Farben, Lacke, Felgen und so weiter wählen. Das Prinzip haben wir auf Lautsprecher übertragen, wir produzieren sie nach Kundenwunsch.

Das klingt nicht nach Raketenwissenschaft – ist das tatsächlich die erste Firma in Deutschland, die das anbietet?

Vom Produktionsprozess ist es völlig anders. Denn Sie können nicht aus Asien tausend silberne und tausend schwarze Modelle mit dem Container nach Deutschland verschiffen. Sie müssen das in Deutschland machen. Bei kleineren Stückzahlen, also zweimal weiß, zweimal creme, zweimal blau, müssen Sie kundenspezifisch produzieren, nach dem Prinzip „build to order“. Deshalb machen die Großen das sicherlich nicht, es passt nicht in deren Prozesse. Zudem sind sie mehr mit technologischen Themen beschäftigt, wie Streaming oder kleinen Boom-Boxen. Die ticken einfach anders. Für mich ist die Individualisierung eine konsequente Weiterentwicklung, denn die Kunden, die diese Gelder von durchschnittlich 3.000 Euro ausgeben, die wollen einfach keine Lautsprecher von der Stange.



Spielt Streaming bei diesen Stand- oder Regallautsprechern keine große Rolle?

Nein, derzeit nicht – Sie können die Lautsprecher jedoch an eine Anlage anschließen und mit entsprechenden Komponenten auch per Smartphone beliefern. Allerdings denken wir hier bereits an eine zusätzliche Option, die wir in den nächsten Jahren anbieten möchten.

Wie viele verschiedene Farben bieten Sie?

Es sind zehn, und mit Absicht nur zehn und nicht unendlich viele, weil der Kunde auch eine gewisse Hilfe braucht. Zu sagen, wir haben 2,3 Millionen Farben, würde den Kunden überfordern. Hinzu kommen Füße in Silber und in Schwarz, Metall-Applikationen in Silber und in Schwarz, Design-Abdeckungen, ein eigener Name auf dem Anschluss-Display, ich kann das Produkt auch technisch upgraden. Technische Ausstattung und Grundform der verfügbaren Modelle ist vorgegeben, die Kunden wählen dann einfach online per Konfigurator die gewünschten Details. Die Lautsprecher sind für den Kunden, der CD und Vinyl hört geeignet, aber auch gerne Streaming – das liefert allerdings noch nicht die Qualität, um das Maximum herauszuholen.

Es geht ja nicht nur um Äußerlichkeiten: Welches hi-fidele Know-how steckt drin?

Wir verwenden für die Treiber einen Hersteller aus Skandinavien, der für verschiedene Unternehmen Zulieferer ist, etwa auch für Burmester. Das ist ein norwegischer Hersteller. Wir arbeiten mit einer Aluminium-Magnesium-Membran, benutzen neueste Chassis-Technologie mit massiver Qualität. Die Frequenzweiche sitzt immer in einer separaten Gehäuseeinheit, sodass der wechselnde Schalldruck im Gehäuse sich nicht auf die Elektronik überträgt. Dann versteifen wir das Gehäuse massiv bis hin zu Schwerfolie, die wir auf die inneren Flächen auftragen, um jede Form von Körperschall zu vermeiden. Es gibt noch viele weitere Details, die man aufzählen könnte. Die Summe aller Teile führt dazu, dass wir ein extrem hochwertiges Niveau erreichen.

Welches Gehäusematerial verwenden Sie?

Das Material ist MDF (mitteldichte Holzfaserplatte, d. Red.). Wir arbeiten mit einer vier Zentimeter starken Frontplatte und haben bis zu zehn Versteifungen über das komplette Gehäuse verteilt.

In welchem Preisbereich liegen ihre Modelle?

Das fängt bei 849 Euro pro Stück für den günstigsten Regallautsprecher an und geht hoch bis zu 3.000 Euro pro Stück für unsere Spitzen-Standlautsprecher Advanced Line mit allen technischen Extras.

Inwieweit hat Ihre kaufmännische Erfahrung dabei geholfen, das Unternehmen zu gründen?

Das hat mir extrem geholfen. Sie müssen auch Investoren und Zulieferer überzeugen, so einen Weg mitzugehen. Das können Sie eigentlich nur, wenn Sie deren Sprache und Denken auch verstehen.

Bilderstrecke: So schaut’s bei der Fertigung aus.

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Autor

Recording, Musikproduktion und Schlagzeug zählen ebenso zu meinen Interessen wie Medientechnik und Broadcast. Nach Stationen bei Tonstudio Zuckerfabrik, R&P Showtechnik & Veranstaltungsservice, SWR, WDR und Axel Springer arbeite ich als freiberuflicher Technikjournalist und Medieningenieur. Dabei biete ich Fachartikel, Produktbeschreibungen und Content-Marketing für Verlage und Unternehmen.

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