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Panasonics 4K-Kamera-Strategie

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Auf der Medientechnikmesse ISE zeigte Panasonic sein 4K-Broadcast-Kamera-Lineup. Nebenbei kündigte der Hersteller die kompakte Cinekamera VariCam 35 LT an – die bereits im März zum Preis von rund 18.000 Euro erhältlich sein soll.

Bereits letzten Donnerstag enthüllte Panasonic seine neue VariCam 35 LT, eine kompakte und leichtere Variante der Cinekamera VariCam 35. Beide Modelle sind für Spielfilm-Produktionen für Fernsehen oder Kino gedacht, insbesondere die VariCam LT auch für hochwertige Doku-Produktionen. Beide VariCams verfolgen einen neuen Ansatz für eine variable Lichtempfindlichkeit. Was verbirgt sich genau hinter dem VariCam-Prinzip?



Der 35-mm-MOS-Sensor der VariCam LT bietet einen ähnlichen Dynamikumfang wie der ihrer großen Schwester. Zwei getrennte Schaltkreise ermöglichen Aufnahmen in den Grund-Empfindlichkeiten von ISO 800 und 5000 mit einem gleichen Signal-Rauschspannungsabstand (SNR) – anders als häufig bei den Angaben vieler DSLR-Hersteller. Für Produktionen bedeute dieses Prinzip, so Andreas Fügen, Key Account Manager Broadcast & Pro AV auf der ISE, eine erhebliche Kostenersparnis. Nachtszenen ließen sich beispielsweise mit wesentlich geringerem Lichtaufwand drehen. Der SNR sei bei beiden Grundempfindlichkeiten jedenfalls größer als 60 dB bei gegebenen Messbedingungen.

Ein erweitertes Farbspektrum möchte das V-Gamut ermöglichen, die V-Log Gamma-Kurve wiederum verspricht einen Dynamikspielraum von über 14 Blendenstufen. Standardmäßig wird die VariCam mit EF-Mount für Canon-Objektive ausgeliefert. Wahlweise lässt sich die Kamera mit PL-Mount für Cineoptiken ordern, wie sie beispielsweise Zeiss oder Angenieux anbieten. Die Varicam LT speichert HD, 2K, UHD und 4K-Videos mit dem Codec AVC Intra auf P2 Express-Speicherkarten. Zudem ist ein SD-Kartenslot für eine parallele Aufzeichnung in der geringeren Proxy-Qualität vorhanden, die eine zügige Vorschau oder etwa einen Offline-Schnitt ermöglicht. In 4K-Qualität zeichnet die VariCam bis zu 60 Bilder pro Sekunde auf. In 2K-Qualität erlaubt die Cinekamera Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde, wobei der Sensor gecroppt, also dessen Aufnahmebereich verkleinert wird.



Mit der VariCam LT erweitert Panasonic sein UHD- / 4K-Portfolio im Film- und Broadcast-Bereich. Hierzulande besetzt der Münchner Kamerahersteller Arri traditionell das Filmsegment, wie Fügen einräumte. Die Alexa von Arri ist jedenfalls bei Filmproduktionen etabliert, liegt allerdings in einem höheren Preissegment. Die Kameraverleiher können aus wirtschaftlichen Gründen sicherlich nicht allzu viele verschiedene Modelle vorhalten.

Panasonic AG-DVX200Auch im Broadcast-Segment setzt Panasonic auf eine UHD-/4K-Strategie, wobei, so Fügen, die meisten TV-Sender noch mit Investitionen für HD gebunden seien. Bereits zur IBC letzten Jahres stellte Panasonic den Handheld-Camcorder AG-DVX-200 (Foto) vor, der ebenfalls auf der ISE gezeigt wurde. Die SD-, Full-HD-, UHD- sowie 4K-fähige Kamera wendet sich, anders als Panasonics P2- bzw. micro-P2-Modelle mit AVC-Intra- und AVC-Ultra-Aufnahme, weniger an das Broadcast-Segment. Sie möchte vielmehr eine hochwertige, dabei jedoch leichter bedienbare Alternative für DSLR-Filmer darstellen. Die AG-DVX-200 speichert Videos mit dem Codec AVC/H.264 in 4:2:0-Farbsampling auf SDHC oder SDXC-Speicherkarten. 4:2:2-Aufnahmen sind allein via HDMI-Ausgang auf externe Recorder möglich. Die AG-DVX-200 bietet zwei Karten-Slots für verschiedene parallele Aufzeichnungsmodi. Der 4/3-Zoll-Großformatsensor ermöglicht Aufnahmen mit geringer Tiefenschärfe, wobei die fest montierte 13-fach Zoomoptik eine variable Lichtstärke von F2,8 bis F4,5 bietet bei einem Brennweitenbereich von 28 bis 365 mm. Neben dem Preis von rund 4700 Euro könnte den eingefleischten DSLR-Filmer die Festoptik abschrecken. Panasonic bedient das Web-Video / DSL-Segment durchaus gekonnt mit der hauseigenen spiegellosen DSLM DMC-GH4. Bei der AG-DVX-200 entschied sich Panasonic bewusst für eine Festoptik, um einen einfacheren Gebrauch des Camcorders zu ermöglichen.

Panasonic AK-UC3000Auf der ISE zeigte Panasonic zudem seine 4K-Broadcast-Systemkamera AK-UC3000, die ebenfalls letztes Jahr vorgestellt wurde. Die kompletten Kanalzüge würden ab April ausgeliefert, wobei Vorbestellungen bis Mitte Mai vorlägen, so Fügen. Jedenfalls waren die Camera Control Unit (CCU) AK-UCU5000 und das Bedienpanel im ¼-Zoll-Rackformat bereits im Einsatz. Der Kamerazug sei mit rund 50.000 Euro deutlich günstiger als der Wettbewerb, betonte Fügen. Zudem biete die AK-UC3000 einen weiteren Vorteil: Während sie für Broadcast-Objektive mit 2/3-Zoll-B4-Mount ausgelegt ist, messe ihr neu entwickelter MOS-Chip einen Zoll in der Diagonalen. Dies ermögliche eine Vergrößerungsoptik, die den kleineren Ausleuchtungskreis des Objektivs für die größere Sensorenfläche ausweitet. Dadurch können die einzelnen lichtempfindlichen Pixelflächen großzügiger ausfallen, und die Kamera punktet insgesamt mit einer höheren Lichtempfindlichkeit. Laut Datenblatt erzielt die Kamera damit bei Blende 10, 2000 Lux und 60 Hz Bildfrequenz einen SNR größer als 60 dB. „Dies bedeutet für den Kunden eine weitere Kostenersparnis“, erläuterte Fügen, „da entsprechend weniger Licht aufgebaut werden muss.“ Die Auflösung der Kamera erreiche jedenfalls die für 4K nötigen 1800 Linien.

Tatsächlich werden 4K-Broadcast-Kameras in der Regel mit HD-Objektiven bestückt. Optiken mit UHD-Auflösung sind derzeit schlicht unerschwinglich, vor allem die etwa für Fußballproduktionen verwendeten Box-Objektive mit langen Brennweiten. Daher könne das Bild gerade in Randbereichen eine geringere Schärfe aufweisen. Als eine weitere Besonderheit der AK-UC3000 hob Fügen die Chromatic Aberration Compensation (CAC) hervor, die Farbsäume durch die Linsengruppen der Optiken elektronisch ausgleicht. Dafür würden die Hersteller entsprechende Messwerte zur Verfügung stellen, die Panasonic für die elektronische Kompensation der chromatischen Aberration nutzt. Die Kamera lässt sich über Lemo-Steckverbindungen per Lichtwellenleiter (LWL) bis zwei Kilometer mit Stromversorgung absetzen. Mit einer zusätzlichen Stromversorgung über 4-Pol-XLR an der Kamera sind Leitungslängen bis 30 km möglich – was auch für große Fußballarenen reichen sollte.

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Autor

Jan Fleischmann

Recording, Musikproduktion und Schlagzeug zählen ebenso zu meinen Interessen wie Medientechnik und Broadcast. Nach Stationen bei Tonstudio Zuckerfabrik, R&P Showtechnik & Veranstaltungsservice, SWR, WDR und Axel Springer arbeite ich als freiberuflicher Technikjournalist und Medieningenieur. Dabei biete ich Fachartikel, Produktbeschreibungen und Content-Marketing für Verlage und Unternehmen.

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