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Praxistest Philips 55PUS6501

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Fit für hochauflösenden DVB-T2-Empfang: Der TP Vision Philips Mittelklasse-LCD bekommt alle digitalen TV-Programme rein, sei es per Satellit, Kabel oder eben per Antenne. Der Flachmann punktet mit schickem Design und zweiseitigem Ambilight.

Sämtliche Philips-Flat-TV-Geräte von 2016 können ultrahochauflösende Programme anzeigen, sofern sich diese – etwa via Satellit – überhaupt empfangen lassen. Doch nicht nur das: Ab der 6000er-Serie, so verspricht der Hersteller, seien alle Modelle zudem für HDR gerüstet. Doch was besagt dieses Kürzel? Dahinter verbirgt sich der Fachbegriff High Dynamic Range. Das steht für einen erweiterten Kontrastumfang. Der Helligkeitsumfang vieler Motive, etwa ein Stadion, das teils lichtdurchflutet und teils im Schatten liegt, übersteigt nämlich die Darstellungsfähigkeiten vieler TV-Geräte (wie die Dynamik der allermeisten Kameras).

HDR möchte hier Abhilfe leisten und Zeichnung in dunkle Schattenbereiche wie helle Lichter bringen, in denen sich ohne HDR nichts mehr erkennen ließe. Der 6501 ist laut Hersteller HDR vorbereitet. Allerdings beträgt die maximale Leuchtdichte laut den Herstellerdaten lediglich 400 Candela pro Quadratmeter. Das Ultra-HD-Premium Logo, das auch HDR-Spezifikationen beinhaltet, fordert für HDR-Geräte eine Leuchtdichte von  mindestens 1000 cd pro qm. Unklar ist also, was der Hersteller mit HDR+ genau bezeichnet. Zur besseren Darstellung von dunklen Bildpartien setzt der 6501 immerhin auf Micro-Dimming, wodurch sich die LEDs für die Hintergrund-Beleuchtung in 6400 Zonen dimmen lassen.

Frisch ausgepackt

Doch zunächst einmal muss das Modell aufgestellt werden. Mit seinem geringen Gewicht von schlappen 16,1 Kilogramm lässt sich der Karton beinahe alleine tragen, zu zweit gelingt dies natürlich müheloser. Etwas kniffliger gestaltet sich die Aufstellung, wenn niemand zur Hand gehen kann: Der Flachmann muss nach oben aus dem Karton gehievt werden. Dies lässt sich beispielsweise erleichtern, indem man den Karton waagerecht legt und das TV-Gerät herauszieht.



Doch damit ist die Arbeit noch nicht erledigt. Die beiden Standbeine müssen noch angebracht werden, sofern der Flachmann auf dem Hi-Fi-Möbel stehen und nicht an der Wand befestigt werden soll. Genau hinschauen hilft um zu erkennen, dass die Beine mit Links und Rechts markiert sind. Werden sie vertauscht, steht der Flach-TV schief. Die beiden Standbeine lassen sich mit den vier beiliegenden Kreuzschlitz-Schrauben befestigen.

Moderne Optik

Anschließend steht das TV stabil und waagerecht. Mit seinem schlanken, dezenten Metallrahmen, den dazu passenden Standfüßen und der geringen Tiefe von etwa drei Zentimetern am schmalen Rand des Rahmens macht der Flat-TV einen flotten, modernen Eindruck. Nach dem Einschalten erscheint ein schlichtes Willkommens-Menü, das zur Wahl der Sprache einlädt.

Smart-TV bedeutet Internet – und hier kommen zahlreiche Dienste und Anwendungen ins Spiel, die zum Anmelden und Registrieren auffordern. Erster Programmpunkt nach dem Einschalten: Bei Google anmelden. Ich wähle fürs Erste „überspringen“ und erblicke die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung von Google. Ohne Zustimmung läuft hier scheinbar nichts, also gemacht und weiter. Es folgen einige weitere Abfragen, die in der Internet-Welt offenbar üblich sind, wie die Frage, ob Standort-Daten übermittelt werden sollen oder nicht. Der Nutzer hat natürlich die Wahl, auf Webangebote größtenteils zu verzichten – was sicherlich auch nicht im Sinne des Erfinders liegt.

Nach der Landeswahl folgen weitere Abfragen, etwa ob das TV-Gerät zuhause oder in einem Geschäft betrieben werden soll. Sodann erscheint eine Aufforderung, sich am Philips Smart TV-Server zu registrieren, um Apps und andere Dienste zu nutzen. Der Kunde kann dies überspringen und sich später noch entscheiden. Es folgen wahlweise eine Schnellinstallation der Sender oder ein kompletter Sendersuchlauf.

Die Google-Hinweise deuten bereits darauf hin, dass das Android-TV-Betriebssystem auf dem Philips-Flachmann läuft, und zwar in der Version 5.1 Lollipop. Eines muss man den Google-Entwicklern lassen: Der Fernseher reagiert angenehm flott, so wie man es von aktuellen PCs gewohnt ist. Nach dem Suchlauf erscheint die etwas kryptische Formulierung auf dem Schirm: „Diese Dienste verwenden möglicherweise das Internet. Sie können HbbTV und den damit verbundenen Internetzugriff für alle Sender oder einzelne Sender deaktivieren.“

Gemeint ist, dass die TV-Sender wiederum selbst Daten erheben, etwa für deren Marktforschung. Zwar spendieren sie auch einen Millionenbetrag für die Ermittlung der Einschaltquote via AGOF / GfK, doch dem Charme einer direkten Verbindung zum Zuschauer können die Marketers schlicht nicht widerstehen. Standardmäßig steht die Auswahl auf „Aus“ – Philips hält sich hier strikt an die Vorgaben.

Frisch gezappt

Nach der Installation erblickt der frischgebackene Philips-TV-Besitzer zunächst das Smart-TV-Portal des Herstellers. Für den TV-Empfang hilft ein Tastendruck auf die mit „TV“ beschriftete Taste der Fernbedienung. Bereits beim ersten Blick auf die Bedienung fällt die Netflix-Taste ins Auge, die zentral unter dem Tastenkreuz angebracht ist. Kein Zweifel, VoD-Dienste wie der des Branchenprimus Netflix und Web-Angebote generell werden hier groß geschrieben.

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Philips 55PUS6501 Ebenso markant, aber vielleicht erst auf den zweiten Blick auffällig: Sowohl die Vorder- wie die Rückseite der Fernbedienung ist Philips-typisch mit Tasten belegt. Während die Vorderseite wie eine übliche TV-Geräte-Fernbedienung  ausschaut, findet sich auf der Rückseite eine QUERTY-Tastatur zur Steuerung des Internets. Per Home-Taste geht’s wiederum direkt in das Smart-TV-Portal von Philips. Hier ist der YouTube-Abruf ohne Weiteres möglich. Ein Zugriff auf jedweden anderen Dienst erfordert jedoch die Einwilligung in die Smart-TV-Nutzungsbedingungen. Selbst für den elektronischen Programmführer ist diese Einwilligung erforderlich: Denn die Programmhinweise des EPGs werden nicht, wie oft üblich, aus den DVB-Signalen gewonnen, sondern per Internet vom Anbieter Gracenote geliefert. Der EPG ist lernfähig – passt sich also an den Interessen des Zuschauers an, der so – idealerweise – Programmhinweise nach Geschmack serviert bekommt. P

er Red Button kann der findige Zuschauer die sogenannten HbbTV-Angebote der Sender aufrufen. Darüber gelingt sowohl der Zugriff auf einen modernen HbbTV-Bildschirmtext wie etwa auf die Mediatheken. Ein klassischer Teletext ist ebenfalls an Bord. Etwas ungewohnt war die fehlende Infotaste auf der Fernbedienung. Diese dient bei vielen Digital-TV-Geräten dazu, weitere Informationen auf den Bildschirm zu holen. Dies gelang hier mit dem Tastenkreuz der Fernbedienung.  Etwas schwierig gestaltete es sich, die Programme umzusortieren. Hierfür forderte das Menü, eine Favoritenliste anzulegen.

Smart TV Portal

Das Smart-TV-Portal bietet zahlreiche weitere Web-Angebote: Neben dem Zugriff auf die Mediatheken – der ebenfalls über die bereits erwähnte „Red-Button“-Funktion gelingt, findet sich YouTube, der Musik-Streaming-Service Deezer, die Videotheken videociety, Wuaki.tv und maxdome, sowie eher unbekanntere Video-Anbieter wie Muzu TV oder Filmbox live.

Das Angebot an Services lässt sich erweitern: über Apps aus dem Google Play Store. Hier finden sich auch Spiele, die auf dem flotten Quadcore-Prozessor des TV-Gerätes mühelos laufen. Natürlich ist eine Anmeldung und je nach App auch eine Bezahlung des Services nötig. Erstaunlich: Im Smart-TV-Portal findet sich auch eine App Team Viewer. Diese dient normalerweise zur Fernwartung von PCs. Je nach Bedienung könnte dies also womöglich auch beim Philips TV Abhilfe bringen.

Ambilight

Die Beleuchtung der hinter dem Fernseher liegenden Wand über LED-Reihen ist mittlerweile ein Markenzeichen von Philips-TVs geworden. Gerade bei LCD-Fernsehern verbessert dies sicherlich den Bildeindruck. Dabei ersetzt dieses Ambilight nicht unbedingt die komplette Zimmerbeleuchtung. Der 6501 kann mit einem zweiseitigen Amblilight auftrumpfen: Links und rechts ist je eine LED-Reihe angebracht. Im Menü lässt sich das Ambilight wahlweise so einstellen, dass es dem Bild folgt – was zu dezenten Ergebnissen führt. Wählt der TV-Zuschauer dagegen „Ton folgen“ aus, erinnert das Resultat deutlich an eine Lichtorgel. Wer auf Ambilight lieber verzichten möchte, kann die Funktion ebenso ausschalten.

Achtung Aufnahme!

Der 6501 zeichnet Programme auf einen angeschlossenen USB-Speicher auf und bietet bei angeschlossener Festplatte auch eine „Pause TV“-Funktion: Damit lässt sich das TV-Programm also wie bei der Wiedergabe einer Aufnahme unvermittelt stoppen, um es zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu betrachten. Doch vor der Aufnahme fordert das TV-Gerät, die Festplatte zu formatieren. Wer ein altes Modell ohne wichtige Daten zur Hand hat, ist hier im Vorteil. Neben drei USB-Anschlüssen  ist das Modell mit vier HDMI-Anschlüssen, Komponenten-Anschluss, Scart sowie Wi-Fi und Netzwerkanschluss gut bestückt. Ein CI-Steckplatz ermöglicht den Empfang verschlüsselter Sender – etwa bei HD+ oder den Privaten auf DVB-T2 bzw. Freenet TV.

Philips 6501

Bild- und Tonqualität

Fernsehprogramme in herkömmlicher Qualität fallen auf dem 55-Zoll großen LCD-Schirm merklich ab. Der 6501 ist sicher nicht die ideale Lösung für TV-Zuschauer, die per DVB-T noch SD-Programme anschauen. Ein deutlich besserer Bildeindruck liefert jedoch HDTV-Fernsehen: Hier zeigte der 6501 eine gute Schärfe mit vielen Details – je nach Programmqualität versteht sich. Teils neigte der Fernseher dazu, an hellen Bildpartien etwas zu überstrahlen. Lichter können daher schon einmal die Zeichnung verlieren. Ein ganz tiefes Schwarz können LCD-Bildschirme bauartbedingt nicht perfekt darstellen, ein dunkler Grauton ist das Maximum. Hier macht sich die Ambilight-Funktion positiv bemerkbar, die verhindert, dass sich dunkle Grautöne vor völliger Dunkelheit abheben können. Manchmal wirkte das Bild etwas kühl. Hier half ein anderer Bildmodus, wie der Kino-Modus, der beispielsweise einen wärmeren Bildeindruck lieferte. Bei Bewegungen waren gelegentlich leichte Nachzieheffekte zu bemerken. Der Ton war für die geringe Tiefe des Modells erstaunlich kräftig, die Sprecher/innen ließen sich mühelos verstehen.

Fazit

Das Philips 55PUS6501 ist ein schicker Mittelklasse UHD-TV, der mit zahlreichen Funktionen auftrumpft. Die Reaktion ist richtig flott – der Quad Core Prozessor macht sich positiv bemerkbar. Mit Android-Betriebssystem, Smart-TV-Portal, HbbTV und Wi-Fi ist das Model bestens für verschiedene Internet- und Multimedia-Anwendungen gerüstet. Ein Wehrmutstropfen sind die zahlreichen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen, denen der Nutzer für deren Gebrauch zustimmen muss – etwa unvermeidbar im Web-Zeitalter?

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Autor

Jan Fleischmann

Recording, Musikproduktion und Schlagzeug zählen ebenso zu meinen Interessen wie Medientechnik und Broadcast. Nach Stationen bei Tonstudio Zuckerfabrik, R&P Showtechnik & Veranstaltungsservice, SWR, WDR und Axel Springer arbeite ich als freiberuflicher Technikjournalist und Medieningenieur. Dabei biete ich Fachartikel, Produktbeschreibungen und Content-Marketing für Verlage und Unternehmen.

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