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Blackmagic Design Web Presenter im Kurzcheck

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Blackmagic Design bringt mit dem Web Presenter Video live ins Web: Damit mutieren selbst professionelle Kameras zur USB-Webcam. Der Web Presenter empfiehlt sich damit für höhere Aufgaben als alleine für Videokonferenzen, wie das Live-Streaming auf YouTube oder Facebook.

Ob Videokonferenz oder Live-Videostreaming ins Netz: Der kleine Blackmagic Design Web Presenter mit einer drittel Rackbreite und einer Höheneinheit (HE) ist ein pfiffiges Gerät. Der australische Hersteller Blackmagic Design hatte das Modell bereits auf der ISE 2017 in Amsterdam gezeigt. An seiner Rückseite finden sich ein SDI-Eingang für professionelle Kameras und ein HDMI-Eingang für Camcorder sowie DSRL- oder DSLM-Kameras mit Live-Videofunktion. Der SDI-Eingang ist als HD-SDI sowohl für Interlace-HD-Formate geeignet wie als 3G-SDI für progressive Bildformate. Zudem eignet er sich als 12G-SDI-Eingang sogar für 4K- oder UHD-Videosignale, die die vierfache Bandbreite von 3G-SDI benötigen. Auch der HDMI-Eingang empfängt UHD- oder 4K-Videos mit bis zu 2160p50 oder 60 – also 50 oder 60 Vollbilder mit 2160 Bildzeilen.

Web Presenter01

Blackmagic Design Web Presenter: Die Treiber installieren sich automatisch.

Neben den Videoanschlüssen findet sich eine USB-B-Buchse, über die sich der Web Presenter mit einem PC verbinden lässt. Der Anwender muss keinen Treiber installieren, bei Anschluss an einen PC werden die notwendigen Treiber automatisch geladen (Bild oben). Kameras, die mit dem Web Presenter verbunden werden, behandelt der PC dann wie eine Webcam. Somit lassen sich beliebige Videokameras beispielsweise für Skype nutzen. Der Web Presenter liefert die Videobilder jedoch keineswegs mit 4K-Auflösung ins Web, sondern mit einer maximalen Auflösung von 720p.

Damit eignet sich der Web-Presenter sowohl für Videokonferenzen, für die eine bessere Bildqualität gefragt ist und beispielsweise zusätzlich eine Präsentation vom Laptop eingebunden werden soll. Denn ein Laptop lässt sich natürlich ebenfalls mit dem HDMI-Eingang des Web Presenters verbinden, während eine Kamera am SDI-Eingang steckt. Darüber hinaus kann der Web-Presenter eine Vielzahl von Live-Streaming-Anwendungen bedienen, bei denen ein Event, eine Dienstleistung oder ein Produkt live auf einem sozialen Netzwerk wie YouTube oder Facebook präsentiert werden soll.

Web Presenter: Rackhalterung von Blackmagic Design

Der Web Presenter lässt sich mit einer optionalen Rackhaltertung von Blackmagic Design in einem Rack oder Flightcase befestigen. Neben den Web Presenter passen dann zum Beispiel weitere Geräte des Herstellers, etwa der Bildmischer ATEM Television Studio HD mit Zweidrittel Rackbreite. Auf einen Anschaltknopf verzichtet Blackmagic bei seinem Web Presenter. Sobald das Modell per Kaltgerätestecker mit dem Stromnetz verbunden ist, erwachen seine Lebensgeister. In einem Rack wäre eine übliche Mehrfachsteckdose mit An- und Ausschalter für den Betrieb geeignet. Die Blackmagic-Niederlassung in Großbritannien sandte mir freundlicherweise ein Paket der jüngsten Neuvorstellungen: Der Web Presenter, ATEM Television HD sowie das Hyper Deck Studio Mini verzichten allesamt auf einen An- und Ausschalter. Mit dem Stromnetz verbunden, surrten die Lüfter der drei Geräte mit vereinten Kräften, sie waren deutlich zu vernehmen.

Die Rückfront des Web Presenters: Neben den SDI- und HDMI-Bildein- und -ausgängen finden sich zwei Cinch-Buchsen sowie ein XLR-Mic-/Line-Audioeingang.

Optionales Smart Panel

Der Web Presenter war bereits mit dem optionalen Smart Panel bestückt, einer Frontblende, die neben einem kleinen Display für die Video-Vorschau und einer Audiopegelanzeige mit einigen Bedienknöpfen und einem Drehregler bestückt ist. Für die Montage des Smart Panels wird zunächst die ursprüngliche Frontblende des Web Presenters abgeschraubt, dann lässt sich das Smart Panel befestigen. Zum Preis für einen Web Presenter in Höhe von 549 Euro kommen 95 Euro für das Smart Panel hinzu. Mit den Bedientasten des Panels lässt sich dann zwischen den beiden Videoeingängen 1 und 2 umschalten. Zudem finden sich Tasten für Menü, Video und Audio, über die sich weitere Einstellungen vornehmen lassen.

Autosync-Funktion

Um zwischen den Videosignalen der angeschlossenen Geräte ohne Störungen umzuschalten, ist der Web Presenter mit einer Autosync-Funktion ausgestattet. Denn für einen störungsfreien Bildwechsel müssten alle Videozuspieler bildgenau synchronisiert werden, und vielen Videokameras aus dem Consumer- oder Prosumerbereich fehlt natürlich ein entpsrechender Sync-Eingang. Die Voraussetzung für ein störungsfreies Umschalten per Autosync ist allerdings, dass die Zuspieler für HDMI und SDI die gleiche Bildauflösung und Bildwiederholfrequenz anliefern. Sonst machen sich bei einem Bildschnitt beispielsweise störende Helligkeitsschwankungen bemerkbar.

Für den Ton sind weitere Eingänge auf der Rückfront angebracht: Über eine XLR-Buchse lassen sich wahlweise ein Line-Zuspieler oder auch direkt ein Mikrofon anschließen. Zudem sind zwei Cinch (RCA)-Buchsen vorhanden, um beispielsweise Musik für eine Web-Präsentation zuzuspielen.

Signalwandler für SDI-Eingang

Wie bereits erwähnt, muss für die Zweikanal-Videomischerfunktion des Web Presenters ein Videosignal per SDI, das andere per HDMI angeliefert werden. Dabei lassen sich HDMI-Signale mittels SDI-Konvertern entsprechend umwandeln. Blackmagic Design bietet mit seinem Micro-Convertern erschwingliche Wandler für 95 Euro. Natürlich lassen sich ebenso verschiedene Zuspieler an einen Videomischer wie das ATEM Television Studio HD anschließen (1089 Euro), das mit vier HDMI- und vier SDI-Eingängen ausgestattet ist. Der Bildmischer verfügt zudem über einen Multiview-Monitorausgang als HDMI und SDI, sowie über einen Program-Ausgang als SDI. Damit lassen sich verschiedene HDMI- und SDI-Signale mischen und mit verschiedenen Bildübergängen schneiden. Der Bildmischer wird im Menü auf eine feste Bildauflösung eingestellt, die Zuspieler müssen ebenfalls auf diese Auflösung justiert sein.

Blackmagic-Setup: Mit der Software Open Broadcaster gelangen Videosignale ins Web.

Open Broadcaster: Software für Live-Streaming

Zum Live-Streaming auf YouTube oder andere Netzwerke wie Facebook oder Periscope muss eine Software auf dem Computer installiert werden. Anders als Skype, das den Web Presenter direkt als Webcam des Computers erkennt, braucht es für YouTube oder Facebook eine zwischengeschaltete Streaming-Software – wie das kostenlose Open Broadcaster. Diese Open-Source-Software empfiehlt auch Blackmagic Design auf seiner Webseite.

YouTube_Streaming Code

Der YouTube Streaming-Schlüssel findet sich unterhalb der Server-URL.

Das Programm ist sowohl für Mac wie für Windows erhältlich und bietet auch die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Videoquellen umzuschalten. Um Open Broadcaster mit dem YouTube-Account zu verknüpfen muss ein Webcode im Menü der Software hinterlegt werden: Dieser Webcode lässt sich bei YouTube abrufen. Er findet sich ganz unten im YouTube-Menü für Live-Streaming (siehe Bild oben). Dort sind unter „Encoder-Einrichtung“ die Streaming-URL aufgeführt, darunter der Name bzw. ein Schlüssel für den Stream. Dieser Schlüssel muss in das entsprechende Menü der Open-Broadcaster-Software (OBS) übertragen werden. Letzteres findet sich in der OBS-Software unter dem Menü „Einstellung“ im Untermenü „Streaming“. Sobald der Code übertragen ist, arbeiten YouTube und der Open Broadcaster bereitwillig zusammen.

Mit der Eingabe eines Streamingschlüssels werden Open Broadcaster und YouTube verknüpft.

Zudem gelingt mit Open Broadcaster auch das Live-Streaming auf Facebook oder das Spieleportal Twitch. Die Videoeinstellungen werden bei Facebook allerdings etwas enger gefasst – die Vorgabe lautet 1280 x 720 Pixel bei 30 Vollbildern pro Sekunde, die Datenrate ist auf 2500 Kbit/s begrenzt. Ein Video mit einer detaillierten Anleitung für Facebook-Live-Streaming mit dem Open Broadcaster findet sich hier.

Open Broadcaster bietet verschiedene Streaming-Ziele wie YouTube oder Facebook.

Der Web Presenter auf Live-Sendung

Der Live-Stream auf YouTube ließ sich mit dem Web Presenter und der OBS-Software ohne Probleme bewerkstelligen. Beim Umschalten zwischen den beiden Videoeingängen des Web-Presenters schwankte die Bildhelligkeit ersichtlich, was offenbar an unterschiedlichen Bildauflösungen des SDI-Zuspielers und der Kamera lag. Bei gleich eingestellten Zuspielern sollte die Autosync-Funktion des Web Presenter ohne Störungen arbeiten. Leider konnte ich nicht alle Funktionen testen – etwa die Audiozuspielung über den XLR-Mic-/Line-Eingang. Insgesamt machte das Modell einen ordentlichen Eindruck für einen erschwinglichen Preis von 549 Euro. Wer es etwas günstiger haben möchte, kann mit dem AJA U-Tap für rund 460 Euro inklusive Steuer eine einzelne HDMI-Kamera als Webcam mit dem PC verwenden – ein Praxistest folgt.

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Autor

Jan Fleischmann

Recording, Musikproduktion und Schlagzeug zählen ebenso zu meinen Interessen wie Medientechnik und Broadcast. Nach Stationen bei Tonstudio Zuckerfabrik, R&P Showtechnik & Veranstaltungsservice, SWR, WDR und Axel Springer arbeite ich als freiberuflicher Technikjournalist und Medieningenieur. Dabei biete ich Fachartikel, Produktbeschreibungen und Content-Marketing für Verlage und Unternehmen.

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