Anzeige

Acht Kopfhörer mit ANC im Vergleich

0

Ob im Flugzeug, in der Bahn oder der Wartehalle: Wer beruflich oder privat viel unterwegs ist, sehnt sich nach etwas Ruhe im geschäftigen Lärm. Beruhigende Stille versprechen diese acht Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung.

Unterhaltungstalente und Entspannungstrainer in einem: Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung spielen nicht nur Musik, sondern blenden dabei Umgebungsgeräusche einfach aus. Egal ob Rauschen, Brummen oder Dröhnen – ein Knopfdruck, und störender Lärm verstummt. So zumindest das Versprechen hinter der sogenannten Active-Noise-Canceling-Technik oder kurz ANC. Auf Deutsch heißt das schlicht aktive Geräuschunterdrückung. Die funktioniert mit in den Ohrhörern eingebauten Mikrofonen und einer pfiffigen Elektronik, mit deren Hilfe die Außengeräusche phasenverkehrt der Musik im Ohrhörer beigemischt werden. Das Ergebnis ist Stille – denn die Außengeräusche werden dadurch ausgelöscht..

Dabei dämpfen die Kopfhörer störenden Lärm nicht nur mit elektronischen Tricks. Allein die Bauweise verringert merklich Geräusche, denn die Ohrmuscheln sind vollständig geschlossen. Was für Fußgänger, Radfahrer oder gar Autofahrer sicherlich gefährlich sein kann, verspricht für den Bahn-, Bus- oder Flugreisenden Erholung. Denn die Kombination aus geschlossener Bauweise und aktiver Geräuschunterdrückung brachte im Praxisvergleich teils verblüffend gute Ergebnisse. Dabei umschließen die Ohrpolster von sechs der acht Modellen das Außenohr komplett. Zwei Kopfhörer, der AKG N60C und Bang & Olufsen Beoplay H8, sind ohraufliegende Modelle, deren Ohrpolster auf den Ohrmuscheln aufsitzen.

Kopfhörer mit ANC: Funk oder Kabel

Für die aktive Geräuschunterdrückung verfügen alle Kopfhörer über eine eingebaute Elektronik. Sechs Kopfhörer verbinden sich obendrein kabellos per Bluetooth-Funk mit einem Smartphone oder einem geeigneten MP3-Player. Allein der AKG N60C und Audio Technica ATH-MSR7NC setzen ausschließlich auf Kabel. Anfang Januar kündigte AKG jedoch eine Bluetooth-Variante des N60C für das Frühjahr 2017 an, die rund 300 Euro kosten soll.

Die Bluetooth-Modelle beherrschen überwiegend den Aptx-Codec, der als hörbare Qualitätsverbesserung gegenüber anderen Bluetooth-Codierungen wie A2DP eingestuft wird. Als Headset, also zum Musikhören und zum Telefonieren, taugen alle Kopfhörer. Bei den beiden Kopfhörern von AKG und Audio Technica, die ohne Bluetooth auskommen, befindet sich die Taste für die Rufannahme im beiliegenden Kopfhörerkabel. Bei den Bluetooth-Modellen sind die Steuerungstasten direkt an den Ohrhörern angebracht. Die Funk-Kopfhörer bieten weitere Steuerungsmöglichkeiten für die Musikwiedergabe und Lautstärke. Diese funktionieren nur per Bluetooth-Verbindung, nicht im Kabelbetrieb.

Aktive Geräuschunterdrückung (ANC) beeinflusst den Klang

Das Active Noise Canceling (ANC) beeinflusst teils deutlich den Klang der Kopfhörer. Während beispielsweise der Sony MDR-1RNC mit ausgeschaltetem ANC etwas belegt und dunkel tönte, lieferte er mit aktivierter Geräuschunterdrückung einen wesentlich luftigeren und natürlicheren Klang. Durch die Bank erhöhte sich auch die Lautstärke bei zugeschalteter Elektronik. Mit und ohne aktivierter Geräuschunterdrückung lieferten der Sennheiser Momentum Wireless, der AKG N60C und der Audio Technica ATH-MSR7NC einen natürlichen Sound.

Die Produkte im Einzelnen:

Sennheiser Momentum Wireless

Der Sennheiser Momentum Wireless konnte nicht nur mit seinen angenehm weichen Lederohrpolstern punkten. Vor allem klanglich wusste er zu überzeugen. Bei ausgeschalteter Elektronik tönten Gesangsstimmen natürlich, das Klangbild durchsichtig. Bei Bläsern ließen sich beispielsweise viele Details hören. Die Bässe klangen ein wenig betont. Mit angeschaltetem Noise Canceling spielte der Momentum merklich lauter. Die Bässe tönten straffer, die Höhen wurden etwas betont. Dadurch bekam der Klang eine minimal scharfe Note.

ennheiser_MOMENTUM_II_Wireless

Mittels einer etwas kleinen Taste am rechten Ohrhörer lässt sich der Momentum Wireless anschalten und in den sogenannten Paarungsmodus versetzen. Dann ist der Bluetooth-Kopfhörer bereit für die Verbindung mit einem Bluetooth-Zuspieler. Eine Frauenstimme informiert den Träger, ob das Modell an- oder ausgeschaltet ist. Hilfreich, denn sobald der Kopfhörer aufgesetzt wird, sind Status-LEDs schwerlich zu erkennen. Per An-Schalter werden Bluetooth und das effektive Active Noise Canceling gleichzeitig aktiviert.

Teufel Mute BT

Der Kopfhörer des Lautsprecher-Spezialisten Teufel überzeugte mit guter Ausstattung: Bluetooth-Funk, Steuermöglichkeiten wie Lautstärke oder Rufannahme am Kopfhörer sowie ein robustes Transport-Case als Zubehör. Zudem sind vielerlei Bluetooth-Codecs und -Profile an Bord. Mit ausgeschalteter Geräuschunterdrückung landete der Mute BT im Hörvergleich knapp hinter dem AKG N60C. Die Abstimmung wirkte ein wenig belegt, die Mitten spielten jedoch recht natürlich auf. Der Bass war ein wenig betont.

Mit zugeschalteter Geräuschunterdrückung fiel der Klang jedoch ab. Der Mute BT tönte noch belegter, es fehlte ein wenig Klarheit. Äußerst effektiv funktionierte die Geräuschunterdrückung, die selbst Motorenlärm ausblendete. Der wechselbare Akku hält bis zu 60 Stunden durch, solange der Mute BT mit Geräuschunterdrückung (ANC) am Kabel betrieben wird. Mit Bluetooth und ANC spielt das Modell immerhin 28 Stunden lang.

Bose Quiet Comfort 35

Der Name des Bose-Modells erinnert an ein hochprozentiges Malzgetränk aus den amerikanischen Südstaaten. Dabei verspricht der Quiet Comfort 35 auch ohne Alkohol Entspannung. Seine Geräuschunterdrückung funktioniert dafür überzeugend effektiv, sie blendet das übliche dumpfe Grundrauschen wirksam aus. Mit den angenehm flauschigen Kunstleder-Ohrpolstern trägt sich das leichte Modell auch auf längere Zeit entspannt ohne bleibende Druckstellen.

Das Klangbild des Bose ist angenehm, recht natürlich, aber in der Tendenz eher etwas dunkel abgestimmt. Im Vergleich zum Teufel-Kopfhörer tönten Stimmen etwas belegter und leicht nasal verfärbt. Die Geräuschunterdrückung (ANC) hebt die hohen Frequenzen merklich an. Der Sound wird so heller, Bläser wurden dadurch beispielsweise etwas betont, tönten beinahe ein wenig blechern. Im mitgelieferten praktischen Transport-Case finden Kabel und Flugzeugadapter einen vorbestimmten Platz.

AKG N60C

AKG N60NC_klein

Das kleine, leichte, ohraufliegende Modell des österreichischen Herstellers AKG konzentriert sich auf das Wesentliche. Der N60C verzichtet auf Bluetooth. Doch die Geräuschunterdrückung arbeitet effektiv, blendet die tieffrequenten Umgebungsgeräusche weitgehend aus. Ein schlichter Schalter am linken Ohrhörer dient zum An- und Ausschalten. Im Kopfhörerkabel findet sich noch ein Schalter zur Rufannahme. Das dreipolige Kabel funktionierte am iPhone einwandfrei, doch an einer zweipoligen Miniklinkenbuchse gelang der Kontakt nicht ganz störungsfrei. Zum Laden liegt noch ein USB-Klinkenkabel bei, die Akkus des Modelles lassen sich über die Klinkenbuchse aufladen.

Mit ausgeschalteter Elektronik wirkte der Klang unspektakulär. Die Bässe hielten sich eher zurück, auch die Höhen verhielten sich unaufdringlich. Der Charakter war etwas mittig, aber insgesamt natürlich und angenehm. Details ließen sich gut vernehmen. Mit Elektronik spielt der N60C merklich lauter. Weibliche Stimmen tönten zugleich klarer und natürlicher. Die Höhen waren vielleicht einen Tick zu betont, insgesamt war der Sound aber natürlich und ausgewogen.

Audio Technica ATH-MSR7NC

ATH-MSR7NC_klein

Wie alle Kopfhörer im Test macht auch der Audio Technica einen hochwertig verarbeiteten Eindruck. Wie der AKG N60C verzichtet der ATH-MSR7NC auf Bluetooth, lässt sich also nur per Kabel betreiben. Eine aktive Geräuschunterdrückung ist natürlich an Bord. Sie beeinflusst den Klang des ATH-MSR7NC weniger, als es bei anderen Modellen der Fall war. Dafür arbeitet sie aber auch weniger wirksam. Das tieffrequente Grundrauschen, etwa durch den Straßenverkehr, konnte die Elektronik nicht völlig ausblenden.

Das Modell von Audio Technica klingt etwas heller als viele Kopfhörer im Testfeld. Es ist mehr auf die Höhen abgestimmt, die zwar etwas betont und hell, aber dafür auch mit mehr Details aufwarten. Im Vergleich zu anderen Modellen wie Bose, Denon aber auch Teufel überzeugte der ATH-MSR7NC daher mit mehr Klarheit, wenngleich eine Tendenz zu etwas betonten, scharfen Höhen vorhanden ist. Der Bass hält sich dazu passend zurück.

Sony MDR-1RNC

Sony Hear On Wireless

Der Sony MDR-1RNC erscheint im modernen schwarzes Design. Mittels zweier Tasten am linken Ohrhörer lässt sich das Modell anschalten und die ANC-Elektronik getrennt aktivieren, Eine Frauenstimme informiert, ob das Modell an- oder ausgeschaltet ist. Ein längerer Druck auf die An-Taste versetzt den MDR-1RNC in den Bluetooth-Paarungsmodus, in dem er für Verbindungen mit Bluetooth-Smartphones bereit ist.

Ohne Geräuschunterdrückung klang der Sony-Kopfhörer belegt, Gesangsstimmen tönten dunkel. Bässe waren betont, klangen etwas voluminös-unpräzise. Schlagzeug-Becken beispielsweise fehlte die Brillanz. Ein ganz anderes Bild ergab sich mit angeschalteter Elektronik: Dann spielte der Kopfhörer wesentlich heller, die Höhen wurden beinahe betont, der Klang wurde insgesamt angenehmer, durchhörbarer aber auch ein wenig dünner.

Bang & Olufsen Beoplay H8

Während unser Testmuster mit beigen Kunstleder-Polstern und Ohrbügeln in goldmetallic aufwartete, ist der Beoplay H8 auch in dunklen Schwarz-, Grau- oder Brauntönen erhältlich. Die ohraufliegenden, etwas straffen Kunstleder-Ohrpolster können nach einiger Zeit etwas drücken. Neben einem Schalter, der Bluetooth und Noise Canceling aktiviert, erfolgt die Steuerung von Lautstärke oder Titelwahl über eine berührungsempfindliche Metalloberfläche des rechten Ohrhörers – etwas gewöhnungsbedürftig.

Der Beoplay H8  lieferte markante Höhen, und damit einen durchsichtigen, aber etwas hellen Klang, bei dem weibliche Gesangsstimmen etwas scharf tönten. Gleichzeitig waren die Bässe deutlich zu vernehmen, wodurch Schlagzeug-Beats druckvoll, aber etwas betont klangen. In den mittleren Frequenzlagen hielt sich der Beoplay H8 eher zurück. Mit angeschalteter Elektronik spielte das Modell deutlich lauter. Die Klangfarbe blieb weitgehend unverändert, allenfalls die Bässe klangen etwas straffer.

Denon AH-GC20

Die Geräuschunterdrückung des AH-GC20 war eine der effektivsten im Testfeld. Selbst das Tuckern eines in der Nähe laufenden Dieselmotors wurde beinahe komplett ausgeblendet. Die flauschigen Kunstlederohrpolster sorgen in Verbindung mit den flexibel befestigten Ohrmuscheln für einen angenehmen Sitz. In puncto Ausstattung braucht sich der AH-GC20 hinter keinem anderen Modell verstecken: Bluetooth und Steuertasten für Titelwahl, Lautstärke oder Rufannahme machen ihn zum kompletten Gerät.

Denon_AH-GC20-klein

Nicht ganz überzeugen konnten jedoch die klanglichen Eigenschaften des AH-GC20. Ohne angeschaltete Geräuschunterdrückung (ANC) tönte das Modell belegt, dumpf, die Mitten nasal verfärbt. Stimmen klangen daher etwas unnatürlich. Die Hoffnung, die Elektronik der Geräuschunterdrückung würde dies bessern, verpuffte. Zwar spielte der Denon mit ANC deutlich heller. Stimmen klangen dennoch leicht nasal verfärbt.

Share.

Autor

Jan Fleischmann

Recording, Musikproduktion und Schlagzeug zählen ebenso zu meinen Interessen wie Medientechnik und Broadcast. Nach Stationen bei Tonstudio Zuckerfabrik, R&P Showtechnik & Veranstaltungsservice, SWR, WDR und Axel Springer arbeite ich als freiberuflicher Technikjournalist und Medieningenieur. Dabei biete ich Fachartikel, Produktbeschreibungen und Content-Marketing für Verlage und Unternehmen.

Mehr über meine Dienstleistungen erfahrt ihr auf

Schreibe einen Kommentar